Wir träumten voneinander
und sind davon erwacht,
wir leben, um zu lieben,
und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
aus deinem trat ich hervor,
wir sterben, wenn sich Eines
im Andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
zwei Tropfen, rein und rund,
zerfliessen in Eins und rollen
hinab in des Kelches Grund.


(Friedrich Hebbel)

 


Wenn Du 
die kleine Hand mir gibst,
die so viel Ungesagtes sagt,

Hab´ ich Dich jemals dann gefragt,
ob Du mich liebst ?

Ich will ja nicht, daß Du mich liebst,
will nur, daß ich Dich nahe weiß
und daß Du manchmal
stumm und leis

die Hand mir gibst ...

(Hermann Hesse)

 

 

 

 


Die beste Botschaft

Worte sind Boten,
die wir benutzen,
um den Abstand zwischen uns
zu überbrücken.

Wirklich nah
bin ich Dir erst,
wenn die Boten überflüssig sind,

weil Nähe
die beste Botschaft ist...

(Hans Kruppa)

 

 

Auf der Höhe

Wer wahrhaft liebt,
liebt auch das Schweigen,
denn es läßt
Stimmungen Raum,
den Worte ihnen nehmen.
Es scheut jedes 
überflüssige Wort,
spricht mit Blicken,
Gesten, Berührungen - 

lebt auf der Höhe
des Augenblicks


(Hans Kruppa)

Der Dämon der Gewohnheit

Die gleichen Dinge täglich 
bringen langsam um.
Und doch will die Liebe 
den Alltag wagen,
nicht nur Sternstunden feiern.
Ist sie stark genug, 
dem Dämon der Gewohnheit standzuhalten,
der uns das Leben
aus der Seele saugt,
wenn wir seinen 
grauen Atem inhalieren ?

(Hans Kruppa)


 

 

Was es ist...

es ist Unsinn, sagt die Vernunft.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.
Es ist Unglück, sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.
Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Es ist lächerlich, sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

 








Alles hatte Inhalt:
unsere Worte,
unsere Blicke,
unsere Berührungen

Reden das fließt,
Lachen das hingehört,
Schweigen das lebt

Vertraulichkeit von Anfang an.
Von unseren ersten wenigen ersten Stunden
wird viel bleiben
und viel daraus werden.

Das erlaube ich mir zu wissen...




Wie soll ich meine Seele halten,
daß sie nicht an Deine rührt ?
Wie soll ich sie hingeben über Dich zu andern Dingen ?

Ach gerne möchte ich sie bei
irgendwas Verlorenem im Dunkel
unterbringen an einer fremden
stillen Stelle, die nicht weiterschwingt,
wenn Deine Tiefen schwingen.

Doch alles, was uns anrührt,
dich und mich,
nimmt uns zusammen
wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.

Auf welches Instrument sind wir gespannt ?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand ?

O süsses Lied.

(Rainer Maria Rilke)

 









Jenes Lied...

ich liebe Dich
an hellen Stunden lehnt mein Tag
und auch die Nacht verschwendet sich
Ich liebe Dich
bin schattenlos dem Licht verwandt
und jenes Lied vom Warten schwer
vollendet sich
Ich liebe Dich.


(Adelheid Bienmüller)